Der Hudalbrief - Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

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Judenrazzia in Rom
Der sogenannte Hudal-Brief

gehört zu den umstrittensten Interventionen während einer Judenrazzia im 2. Weltkrieg. Die Razzia selbst war gleichzeitig die politisch brisanteste im Krieg.


Bischof Alois Hudal / 1885 - 1963; Rektor der deutschsprachigen Gemende in Rom und Vorstand des Priesterkolleg Santa Maria dell'Anima in Rom.
Der Hudal-Brief

Beitrag zur Debatte über die Judenrazzia in Rom
 am 16. Oktober 1943
 
 
 von Klaus Kühlwein
 Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
 Frb. i.Br. 10/2016

  

Bis heute sind die Herkunft und die Wirkung jenes Briefes strittig, den Bischof Alois Hudal einige Stunden nach Beginn der Judenrazzia in Rom an den Stadtkommandanten General Stahel schickte. Kam der Auftrag dazu direkt aus dem Apostolischen Palast des Vatikans? Wollte Pius XII. über den einflussreichen Bischof Hudal in die laufende Razzia gegen die Juden eingreifen und einen außerordentlichen Stopp der Aktion erreichen? Noch umstrittener ist die Notiz Hudals nach einem Telefongespräch mit General Stahel, dass Himmler den sofortigen Stopp der Verhaftungen befohlen habe.
 
 
Samstagfrüh, den 16. Oktober 1943, um 5.30 Uhr hatte in Rom die großangelegte Razzia zur Ergreifung aller Juden begonnen. In den folgenden Stunden wurden im alten Ghetto und überall im Rom Juden verhaftet und ins Sammellager Collegio Militare im Herzen Roms unweit von der Engelsburg gebracht.[1]
 
Das Kommando führte der direkt von Berlin geschickte SS-Hauptsturmführer Theodor Dannecker.[2] Adolph Eichmann persönlich hatte seinen besten „Judenjäger“ aus Bulgarien abgezogen und für den politisch delikaten Auftrag nach Rom beordert. Gleich nach seiner Machtübernahme in Italien (10. Sept. 1943) hatte nämlich Hitler seinem SS-Reichsführer Himmler befohlen, die römischen Juden deportieren zu lassen und der Endlösung zuzuführen. Das war der politisch brisanteste „Judenbefehl“ während des Krieges. Weder Hitler, noch das SS-Reichssicherheitsamt, noch das Außenamt wussten, wie Papst Pius XII. darauf reagieren würde. Hitler ließ es darauf ankommen.
 
Papst Pius XII. im Vatikan wurde zeitnah alarmiert. Eine Vertraute Pius XII., die Principessa Pignatelli d´Ara­gona Cortes, war in der Frühe zum Apostolischen Palast geeilt, um von der angelaufenen Razzia zu berichten.[3]
 

Der Text
Gegen Mittag oder am frühen Nachmittag an Razzia-Samstag, den 16. Oktober, traf beim hiesigen Stadtkommandanten Generalmajor Stahel ein Brief von Bischof Alois Hudal ein. Der österreichische Bischof Hudal war der einflussreiche Rektor des deutschen Priesterkollegs mit der angeschlossenen „deutschen Nationalkirche“ Santa Maria dell’Anima an der Piazza Navona.
           
    Der Text lautet:[4]

Herrn Generalmajor Stahel                                                             
 
                                                                    Deutsches Kommando Rom
 
Ich darf hier eine sehr dringende Angelegenheit anschließen. Eben berichtet mir eine hohe Vatikanische Stelle aus der unmittelbaren Umgebung des Heiligen Vaters, dass heute morgen die Verhaftungen von Juden italienischer Staatsangehörigkeit begonnen haben. Im Interesse des friedlichen Einvernehmens zwischen Vatikan und deutschem Militärkommando bitte ich vielmals, eine Order zu geben, dass in Rom und Umgebung diese Verhaftungen sofort eingestellt werden. Das deutsche Ansehen im Ausland fordert eine solche Maßnahme und auch die Gefahr, dass der Papst öffentlich dagegen Stellung nehmen wird. Da in nicht zu ferner Zeit das Deutsche Reich den Vatikan für bestimmte Aufträge benützen dürfte – ich weiß, dass bereits im März getastet worden ist – würde ein grosser Schaden für die Sache des Friedens herauskommen, wenn die Judenverfol­gun­gen zu einem weiteren Dissens zwischen dem Vatikan und Reich führen würden.
 
Hudal war in Rom eine einflussreiche Persönlichkeit. Gern übte er sich in der Rolle einer grauen Eminenz, die im Hintergrund Fäden zog. Politisch stand er der Ideologie des Nationalsozialismus nahe. Allerdings lehnte er die Rassenlehre und deren Umsetzung ab. Seit vielen Jahren schon verfolgte er sein Herzensanliegen: den katholischen Glauben bzw. die Kirche mit dem Nationalsozialismus zu versöhnen. Allerdings stieß er bisher weder mit seinem Grundsatzbuch[5], noch mit seinen Hinterzimmergesprächen in Berlin und im Vatikan auf Interesse. Bis zu seinem erzwungenen Rücktritt 1952 und weiter bis zu seinem Tod 1963 haftete ihm ein zwielichtiger Ruf an.
 
Bischof Hudal besaß in Rom viele Kontakte, die er reichlich ausnutzte. In dem Brief heißt es, dass er von hoher vatikanischer Stelle – aus der Umgebung des Heiligen Vaters – über die Judenrazzia informiert worden sei. Der Informant war Carlo Pacelli, Neffe Pius XII.[6] Der bürgerliche Pacelli hatte in der Kurie des Vatikans verschiedene Ämter inne und stand öfters in Kontakt mit Hudal.
 

Erste Fragen
Der Adressat des Briefes und einige Andeutungen werfen erste Fragen auf. Warum wandte sich Bischof Hudal an den (Wehrmachts-)Stadtkommandanten, um von ihm eine Order zum Stopp der Razzia zu fordern? General Stahel war dafür die falsche Adresse. Weder die Stadtkommandantur, noch andere Wehrmachtseinheiten hatten etwas mit der Judenrazzia zu tun. Das war federführend Sache der SS bzw. des SD. Die regelmäßig abgeordneten Polizeitruppen der Ordnungspolizei (aus den SS-Polizeiregimentern) standen während einer Razzia unter dem jeweiligen SS-Kommando. Wenn Bischof Hudal ernsthaft einer Stopp-Order der Razzia in Rom erreichen wollte, wäre der römische SS-Polizeichef und SD-Kommandeur Herbert Kappler der erste Ansprechpartner gewesen.
 
Fehlende Kenntnis über die Kommandostrukturen in Rom und in ganzen „Reich“ allgemein und über die Zuständigkeiten zur „Judenfrage“ konnte man Hudal nicht nachsagen. Im Gegenteil.
 
Kam Carlo Pacelli aus eigenem Antrieb zu Hudal oder wurde er geschickt – wenn ja, von wem? Für die Verteidiger Pius XII. ist klar: Papst Pius höchstpersönlich hatte seinen Neffen beauftragt, bei Hudal dringlich vorzusprechen. Carlo sollte erreichen, dass der Bischof den Stadtkommandanten unter Druck setzte. Das sei die dritte Intervention Pius XII. gegen die laufende Razzia gewesen.
 
Wurde der Hudalbrief tatsächlich direkt aus dem Apostolischen Pa­last veranlasst? In den ADSS-Akten ist dazu nichts vermerkt. Laut des ehemaligen Untersuchungsrichters im Seligsprechungsverfahren „Pius XII.“, Prof. Pater Gumpel SJ, gibt es auch in den noch verschlossenen Aktenbeständen nichts Erhellendes darüber (mehrfache pers. Mitteilung an den Autor). Bischof Hudal hat nie behauptet, dass Carlo Pacelli von Pius XII. geschickt worden war. Von Pacelli selbst gibt es keine dokumentierte Aussage (gemäß Pater Gumpel).
  

Von wem?
Man kommt den wahren Urhebern des Hudalbriefes stärker auf die Spur, wenn man den weiteren Verbleib des Schreibens verfolgt. Es wurde nämlich alsbald vom Schreibtisch General Stahels weggeholt und noch am Abend des 16. Oktober nach Berlin ins Außenamt telegrafiert. Verantwortlich dafür war Gerhard Gumpert von der Deutschen Botschaft. Gumpert war ein Mitarbeiter mittleren Ranges in der Villa Wolkonsky (Botschaftsgebäude). Eigentlich hätte sein Chef Konsul Moellhausen die Weiterleitung nach Berlin vornehmen müssen, aber der war zurzeit der Razzia nicht in Rom. So nahm sich Gumpert als ranghöchster Vertreter im Haus der Sache an.
 
Der Text des Briefes, den Gumpert ins Außenamt schickte, weicht leicht vom Originaltext des Hudalbriefes ab. Es heißt (Abweichungen kursiv):[7]

„… Im Interesse des guten bisherigen Einvernehmens zwischen dem Vatikan und dem hohen deutschen Militärkommando, das in erster Linie dem politischen Weitblick und der Großherzigkeit Eurer Exzellenz zu verdanken ist und einmal in die Geschichte Roms eingehen wird, bitte ich vielmals, eine Order zu geben, dass in Rom und Umgebung diese Verhaftungen sofort eingestellt werden; ich fürchte, dass der Papst sonst öffentlich dagegen Stellung nehmen wird, was der deutschfeindlichen Propaganda als Waffe gegen uns Deutsche dienen muss.“
 
Auffällig sind der lobende Satzeinschub über den politischen Weitblick Sta­­hels, die Umformulierungen und die Kürzung am Ende. Das brachte zwar keine Sinnänderung, ist aber doch ungewöhnlich.
 
Warum gab es diesen Eingriff in den Text? Durfte sich Gerhard Gumpert, der nicht-diplomatischer Mitarbeiter in der Botschaft war, einfach erlauben einen fremden Brief zu verändern, einen Brief, der vom namhaften Bischof Hudal stammte und vom Stadtkommandanten persönlich abgezeichnet wurde? Gumpert hatte sich doch die Aufgabe gestellt, nur das Eil-Schrei­ben in Berlin zur Kenntnis zu geben.
 
Warum mischte sich überhaupt die Villa Wolkonsky in den Vorgang ein? Und woher wusste man dort so zeitnah vom Hudalbrief an Stahel? Wieso ist in dieser Angelegenheit nicht die Vatikanbotschaft Weizsäcker tätig geworden? Schließlich ging es um die gravierende Frage nach einem möglichen Papstprotest gegen die Judenverfolgung.
 
Der US-amerikanische Autor Robert Katz gab in seiner Studie »Black Sabbath« dafür zum ersten Mal eine Erklärung.[8] Nicht Papst Pius und sein Neffe Carlo hätten den Brief angeregt, sondern es sei ein gemeinschaftliches Werk von Albrecht Kessel (Vatikanbotschaft) und Gerhard Gumpert (Deutsche Botschaft) gewesen. Am Vormittag der Razzia hätten die beiden überlegt, was man diplomatisch dagegen tun könne. Den besten Weg sahen sie darin, Berlin unmissverständlich die Gefahr eines Papstprotestes zu signalisieren. Daher hätten sie für den Stadtkommandanten General Stahel einen Brief entworfen und als Absender Bischof Hudal auserkoren. Katz stützt sich auf Interviews, die er im Juni 1967 mit Kessel und Gumpert führte. Kritiker zweifeln die Behauptung von Katz an. Entweder habe er sich etwas aus den Fingern gesaugt oder er hat die beiden Diplomatenschlicht missverstanden. Nahrung findet dieser Einwand durch die unklar dokumentierten Interview-Aussagen in der Katz-Studie. Tatsächlich ist die Zitierung bei Katz zu beanstanden. Er gibt die Interviewaussagen nicht wörtlich wieder.

 
Eine gerichtliche Aussage
Es ist einem seltenen Dokument zu verdanken, dass die Version von Katz im Kern tatsächlich der historischen Wahrheit entspricht. Es handelt sich um eine eidesstattliche Erklärung, die Gerhard Gumpert für den Weizsäcker-Prozess des Nürnberger-Kriegs­ver­brechertribunals ge­macht hat. Gum­­pert beeidete seine Aussage sehr zeitnah am 2. April 1948 vor dem öffentlichen Notar Rath in Stuttgart. Die Erklärung ist bislang noch nicht vollständig veröffentlicht worden. Das lag wohl auch daran, dass das Dokument in den Tiefen des Archivs des Zeitgeschichtlichen Instituts München durch eine alte falsche Signatur verschollen gegangen ist.
 
Ich danke an dieser Stelle dem stellvertretenden Direktor Dr. Klaus Lankheit. Auf meine verwegene Bitte hin, das Dokument ausfindig zu machen, hat er sich persönlich auf die Suche begeben. Der Aufwand wurde belohnt; er fand das seltene Gumpert-Dokument und versah es mit einer aktuellen Signatur.[9]
 
In der Erklärung sagt Gumpert aus, dass er am Morgen der Razzia von seiner Sekretärin Anneliese Krüger über begonnene Judenverhaftungen unterrichtetet worden sei. Er habe daraufhin sofort General Stahel angerufen. Doch dieser habe vorgegeben, nichts von der Aktion zu wissen.
 
Hatte Gumpert zu früh bei Stahel angerufen? Nach dem Protokoll des Kriegstagebuchs wurde der General erst beim Morgenbriefing offiziell von der angelaufenen Razzia unterrichtet. An diesem Tag wurden die eingegangenen Nachtmeldungen relativ spät, erst um 10.45, an den Oberbefehlshaber Kesselring weitergegeben. Meist waren die Meldungen schon um 9.30 fertig. Vielleicht aber verschanzte sich Stahel nur hinter der militärischen Geheimhaltung. Am Telefon eine SS-Geheimaktion zu bestätigen, die gerade erst anlief, könnte ihm zu heiß gewesen sein.
 
Wörtlich sagte Gumpert weiter zur Brieffrage aus:
Daraufhin telefonierte ich mit meinem befreundeten Kollegen von Kessel von der Vatikan Botschaft, um zu beraten, was zu tun sei. Wir kamen überein, dass er einen ihm vertrauten Würdenträger des Vatikans bitte, noch am Vormittag einen Brief bei General Stahel zu übergeben, in dem das Entsetzen des Vatikans und des Heiligen Vaters über die Massnahmen zum Ausdruck kommen sollte. Dieser Brief sollte dann die Basis für weitere Schritte an zentraler Stelle durch mich und seine Botschaft, also Herrn von Weizsäcker, bilden. Auf Veranlassung von Herrn von Weizsäcker wandte sich von Kessel an den Salvatorianer Pater Pankratius Pfeiffer, der auch tatsächlich gegen Mittag den Brief dem General Sta[h]el übergab. Darin stand ausser dem von mir Erwarteten noch, wenn die Abtransporte nicht sofort eingestellt würden, müsse man zum ersten Male seit Kriegsbeginn mit einer einseitigen Äusserung des heiligen Vaters rechnen.
 
 
3.) Mit dem Hinweis, dass es sich um eine eminent politische Angelegenheit handele, erbat ich den Brief von General Sta[h]el und telegrafierte entsprechend nach Berlin. Als das Telegramm gerade abgesetzt war, rief mich Herr von Weizsäcker selbst an und fragte: „ob der Brief schon da sei“? Daraufhin erbat von Weizsäcker den Brief und einen Durchdruck meines Telegramms, weil er selbst sofort nach Berlin berichten wolle.

Zum Schluss seiner Aussage betonte Gumpert, dass er am 16. Januar 1948 in Nürnberg gegenüber Dr. Einstein von der »prosecution« unter Eid dasselbe bekundet habe.
 
Es gibt keine Gründe, am Inhalt dieser eidesstattlichen Erklärung von Gerhard Gumpert zu zweifeln. Obwohl sich Gumpert nur knapp ausdrückte, dürfte sich – unterstützt durch die anderweitig bekannten Details – der Vorgang um den Hudalbrief folgendermaßen abgespielt haben:
 
  
Rekonstruktion
Nachdem die Nachricht von der Judenrazzia die Villa Wolkonsky und die Vatikanbotschaft erreicht hatte, berieten sich Albrecht von Kessel und sein Freund Gerhard Gum­pert. Sie suchten nach ei­nem möglichen Schritt, der Ber­lin aufrütteln sollte. Dieser Schritt durfte aber keinen offi­zi­el­len Charakter haben. Berlin sollte von einer kirchlichen Quel­le das deut­li­che Signal be­kom­men, dass Judenver­haf­­tun­gen in Rom für den Vatikan nicht hin­nehmbar seien. Der in Rom ein­fluss­rei­che deutsche Bischof Hu­dal schien da­für besonders ge­eignet. In Berlin wuss­te man von Hudal und von seinen „Ver­söhnungs­be­mühungen“ zwi­schen Ka­­­­tho­­lizismus und National­sozialismus.
 
Damit Bischof Hudal von einer vatika­ni­schen Be­sorg­nis im Brief sprechen konn­te, mussten Kessel und Gumpert jemanden aus dem Umfeld des Staats­se­kre­tariats oder noch bes­ser des Apos­to­li­schen Pa­las­tes beauftragen. Da­für bot sich Pius’ Neffe Carlo Pacelli an. Die Vatikanbotschaft hat­te Kontakt zu Pacelli, und dieser kannte Hudal gut. Die Kontakt­aufnahme zu Carlo Pacelli fand noch am Vormittag statt. Er muss sich sofort bereit erklärt haben, den Auftrag aus­zuführen. Ob Kes­sel und Gum­pert ihm einen Textentwurf für Hudal mit­gaben, ist unklar. Vermutlich haben sie Pacelli nur mündlich instruiert. Das legt ihr nachträglicher Eingriff in den Text des Hudalbriefes nahe.
 
Pacelli sollte den Brief nicht selbst zur Stadtkommandantur bringen, sondern Pater Pfeiffer. Offensichtlich wusste die Vatikanbotschaft, dass Pfeiffer den päpstlichen Auftrag hatte, zu Stahel zu gehen. Diese Gelegenheit wurde aufgegriffen und Pfeiffer gebeten, gleich auch einen Brief von Bischof Hudal zu übergeben. Vermutlich am späten Nachmittag dann erbat Gerhard Gumpert von General Stahel den Brief mit der Begründung, dass der Vorgang eine politische Dimension besitze. Berlin müsse davon Kenntnis haben. Am Abend telegrafierte Gumpert den Brief ins Außenamt Wilhelmstraße.  
 
 
Der Vatikanbotschafter
Welche Rolle Vatikanbotschafter des Deutschen Reiches Ernst von Weizsäcker bei der Briefaktion spielte, ist undurchsichtig. An ihm vorbei konnte der Hudalbrief nicht laufen. Er musste zumindest eingeweiht gewesen sein. Gumpert sprach in seiner Aussage sogar davon, dass Weizsäcker aktiv beteiligt war.
 
Öffentlich bekannte sich Weizsäcker am Tag nach der Razzia zum Hudal­brief. Am Sonntag, den 17. Oktober, schickte er zum Telegramm Gumperts ein eigenes hinterher. Weizsäcker schrieb:[10]

Die von Bischof Hudal (vergl. Drahtbericht der Dienststelle Rahn vom 16. Oktober) angegebene Reaktion des Vatikans auf den Abtransport der Juden aus Rom kann ich bestätigen. Die Kurie ist besonders betroffen, da sich der Vorgang sozusagen unter den Fenstern des Papstes abgespielt hat. Die Reaktion würde vielleicht gedämpft, wenn die Juden zur Arbeit verwendet würden.
 
Uns feindlich gesinnte Kreise in Rom machen sich den Vorgang zu Nutzen, um den Vatikan aus der Reserve herauszudrängen. Man sagt, die Bischöfe in französischen Städten, wo ähnliches vorkam, hätten deutlich Stellung bezogen. Hinter diesen könne der Papst als Oberhaupt der Kirche und als Bischof von Rom nicht zurückbleiben. Man stellt auch den viel temperamentvolleren Pius XI. dem jetzigen Papst gegenüber.
 
Die Propaganda unserer Gegner im Ausland wird sich des jetzigen Vorgangs sicher gleichfalls bemächtigen, um zwischen uns und der Kurie Unfrieden zu stiften.
 
Was hat Weizsäcker bewogen, eine Warnung nach Berlin zu schicken, obwohl er tags zuvor gegenüber dem vatikanischen Staatssekretär Maglione abgemacht hatte, Berlin herauszuhalten? Hat er innerhalb eines Tages seine Meinung geändert? Die ersten Historiker, wie Hill und der Vatikanforscher Graham, die anhand der aufgetauchten Dokumente die Reaktionen des Botschafters während der Judenrazzia beleuchteten, haben von einem seltsamen und un­durchsichtigen Verhalten Weizsäckers gesprochen.[11] Vordergründig hät­te er dringend gebeten, jeden Schritt zu unterlassen, der Berlin aufschrecken könnte, intern habe er sich dennoch entschlossen, einen warnenden Brief von kirchlicher Seite zu kommentieren und zu unterstützen.
 
Weizsäcker mahnte mit drastischer Formulierung. Man habe es gewagt, „unter den Fenstern des Papstes“ eine Judenrazzia durchzuführen. Die Kurie müsse darauf reagieren. Auch könne der Papst nicht hinter protestierenden Bischöfen, wie einigen französischen, zurückstehen. Zudem gebe es feindlich gesinnte Kreise, die den Anlass nutzen wollen, den weniger temperamentvollen Pius XII. aus der Reserve zu zwingen. Das Ausland werde sicherlich die Gelegenheit ergreifen und Unfrieden zwischen dem Reich und dem Vatikan stiften.
 
 
 
Weizsäckers Motiv
 Bei genauem Hinsehen war Weizsäckers Unterstützung des Hudalbriefes nicht so merkwürdig wie es der erste Eindruck nahelegt. Nach seinem Krisengespräch mit Kardinalstaatssekretär Maglione[12] wusste er, dass die Lage zum Zerreißen gespannt war. Würde der Vatikan der Deportation der Juden am Ende tatenlos zusehen? Jede offizielle Stellungnahme von welcher Seite auch immer konnte die Situation außer Kontrolle bringen. Er selbst wollte in seiner Eigenschaft als Botschafter die Reaktion des Vatikans nicht offiziell nach Berlin melden müssen. Aber eine indirekte Information, dass es hier in Rom auf Messers Schneide stehe, war Weizsäcker recht. Das dürfte auch der Grund sein, warum der Hudalbrief nicht von seiner Dienst­stelle, sondern von der Villa Wolkonsky aus weitergeleitet wurde. Zusätzlich blieb der Vatikan als Quelle außen vor. Die bloße Mitteilung einer privaten Einschätzung von dritter Seite hatte informellen Charakter.
 
Für Berlin blieb unklar, wie der Papst tatsächlich dachte und was er vorhatte. Weizsäcker konnte den Hudalbrief nach Gutdünken kommentieren und unterstützen – ohne offiziell werden zu müssen. Er musste nur sich selbst außen vor lassen. Im Schreiben vermied er denn auch jede Andeutung auf sein Krisengespräch mit Kardinal Maglione. Stattdessen mahnte er in Berlin an, dass der Vatikan von außen unter Druck stehe. Bestimmte Kreise wollten ihn subtil aus der Reserve locken und Pius XII. in Zugzwang bringen.
 
Weizsäckers Vorschlag, die Juden zur Arbeit zu verwenden und damit den Vatikan zu beruhigen, klingt in dieser Lage allerdings wie ein abenteuerlicher Wunschtraum. Glaubte der Botschafter tatsächlich, dass Ribbentrop auf den letzten Drücker in eine SS-Juden­razzia eingreifen würde? „Arbeit“ für Juden, die auf der Deportationsliste zwecks Liquidierung stehen? Man merkt, wie aufgeschreckt Weizsäcker während der Razzia war. Er befürchtete ein vatikanisches Unwetter mit Sturzfluten. Sie konnten zum Damm­bruch führen und das labile Gebäude der ausgleichenden Dip­lo­matie in einem Rutsch wegspülen.
 
Papst Pius durfte jetzt nicht die Nerven verlieren und Berlin attackieren. Gegenüber Monsignor Montini, dem Substituten Pius XII., mahnte Weizsäcker an, dass ein vatikanischer Schuss nach hinten losgehen würde. Leidtragende seien die Juden, die man doch retten wolle. „... eine Äußerung des Papstes [würde] nur bewirken (...), dass die Abtransporte erst recht durchgeführt werden.“ Er kenne die Reaktion der eigenen Leute. Montini habe das verstanden, so Weizsäcker später.[13] Wann genau die Unterredung der beiden stattgefunden hat, ist nicht dokumentiert. Vermutlich aber war es am 16. Oktober als Weizsäcker zum Krisengespräch im Staatssekretariat war.
 
Eine Antwort von Außenminister Ribbentrop oder irgendeine Reaktion aus dessen Büro bekam Weizsäcker nie. Sein Telegramm wurde in der Berliner Wilhelmstraße vom Judenreferatsleiter Eberhard von Thadden (Inland II) schlicht zur Kenntnis genommen. Der Hudalbrief landete ebenfalls auf Thaddens Schreibtisch.
 
Einige Tage später, am 23. Oktober, leitete der Referatsleiter die beiden Telegramme zusammengefasst an Eichmanns Büro weiter. Einen Kommentar fügte Thadden nicht bei.[14] Bei seinem Prozess 1961 erinnerte sich Eichmann an den Brief Hudals. Er habe ihn seinem Chef General Müller vorgelegt.[15] Wie das Weizsäcker-Tele­gramm wurde auch der Hudalbrief im Ministerium und im Reichssicherheitshauptamt ohne Reaktion schließlich zu den Akten gelegt.
 
Erst Ende des Monats Oktober war Weizsäcker erleichtert. Der Vatikan hatte sich ruhig verhalten. Es war nicht zu einer Karambolage gekommen. Am 28. Oktober schickte Weizsäcker beruhigt ein Telegramm nach Berlin: [16]
 
Der Papst hat sich, obwohl dem Vernehmen nach von verschiedenen Seiten bestürmt, zu keiner demonstrativen Äußerung gegen den Abtransport der Juden aus Rom hinreißen lassen. Obgleich er damit rechnen muss, dass ihm diese Haltung von Seiten unserer Gegner nachgetragen und von den protestantischen Kreisen in den angelsächsischen Ländern zu propagandistischen Zwecken gegen den Katholizismus ausgewertet wird, hat er auch in dieser heiklen Frage alles getan, um das Verhältnis zu der deutschen Regierung und den in Rom befindlichen deutschen Stellen nicht zu belasten. Da hier in Rom weitere deutsche Aktionen in der Judenfrage nicht mehr durchzuführen sein dürften, kann also damit gerechnet werden, dass diese für das deutsch-vatikanische Verhältnis unan­genehme Frage liquidiert ist.
  
 
Pius XII. und das Hudalbrief
Pius XII. war am Vorgang des Hudalbriefes nicht beteiligt. Die vielfach vorgetragene Behauptung, dass der Papst höchstpersönlich seinen Neffen Carlo Pacelli zu Bischof Hudal geschickte habe, um ultimativ eine Protestgefahr zu lancieren,[17] ist nicht korrekt.
 
Selbst wenn Papst Pius an eine Intervention gedacht hätte, wäre ein Vorstoß ausgerechnet über den zwielichtigen Bischof Hudal kaum eine Option gewesen. Schon seit einiger Zeit herrschte Eiszeit zwischen ihm und dem umtriebigen Rektor der Anima. Hudals NS-Einschätzung und ideologische Position, sein berechnendes Einschmeicheln und seine egozentrischen Winkelzüge waren unerträglich geworden. Ein Brief aus der Feder Hudals über die rote Linie des Vatikans an den Stadtkommandanten war für Pius sicherlich nur schwer vorstellbar. Das bestätigte mir sogar Pater Gumpel SJ in einem persönlichen Gespräch. In seinem Untersuchungsbericht (Positio) zur Seligsprechung Pius XII. konnte er die Umstände des Hudalbriefes nicht endgültig aufklären. Mir gegenüber betonte Pater Gumpel, dass das wohl nie möglich sein werde. Das sei aber nicht weiter schlimm, denn der Brief habe keinerlei Wirkung gehabt und wäre für die Razzia unbedeutend gewesen.[18]  
 
Auch der mittlerweile verstorbene Vatikanhistoriker Robert Graham SJ, der Papst Pius immer verteidigte und sein Verhalten während der Judenrazzia rundum positiv beurteilte, hielt den Hudalbrief letztlich für mysteriös. Es könne nicht klar gesagt werden, wer der Initiator sei.[19]
 
  
Stahles Antwort an Hudal
Dem Stadtkommandanten Stahel waren die Eingabe Pius XII. und der Hudalbrief höchst unangenehm. Als Wehrmachts-Kommandant konnte er gegen eine SS-Razzia nichts direkt tun, aber er konnte „zuständige Stellen“ informieren.
 
Am Sonntag, den 17. Oktober, schrieb er handschriftlich an Bischof Hudal zurück:[20]

»Bezüglich Ihrer Bemerkung, dass in Rom und Umgebungen Verhaftungen von Juden stattgefunden haben, kann ich Ihnen mitteilen, dass ich persönlich als Militärkommandant damit nichts zu tun habe. Es handelt sich dabei um eine reine Polizeiaktion, auf die ich keinerlei Einfluss habe, da meine Aufgaben auf rein militärischem Gebiete liegen. Trotzdem habe ich selbstverständlich Ihre Bedenken den zuständigen Stellen umgehend zur Kenntnis gebracht.«
 
In einer Notiz bemerkt Bischof Hudal einen telefonischen Rückruf Stahels am 17. Oktober. Stahel habe gesagt:[21]
 
»Habe die Sache der hiesigen Gestapo und an Himmler unmittelbar sofort weitergeleitet, Himmler gab Order, dass mit Rücksicht auf den besonderen Charakter Roms diese Verhaftungen sofort einzustellen sind.«
 
Order von Himmler, die Verhaftungen sofort einzustellen? Diese Telefonnotiz Hudals ist sensationell. War das die ersehnte Lösung? Gab es tatsächlich einen außerordentlichen Befehl Him­mlers mit der Judenjagd aufzuhören – wegen des besonderen Charakters der Stadt?
  
 
Kein Stopp-Befehl
Der Gang der Ereignisse und die dazugehörigen Dokumente zeigen, dass es diesen Befehl nicht gab. Die Razzia am 16. Oktober wurde planmäßig zu Ende geführt. Bis auf das letzte Haus im Ghetto und bis auf die letzte Judenadresse in Rom war die Liste Dannecker abgearbeitet worden. Das entsprechende Vollzugstelegramm Danneckers und Kapplers ist klar.[22] Die Razzia war so durchgeführt worden, wie der Plan es vorsah. Allein das Abtauchen einzelner Juden vor dem Zugriff hatte Probleme bereitet – besonders wenn hilfsbereite Römer Fluchtunterstützungen leisteten. Gegenbefehle oder irgendwelche neue Weisungen gab es nicht. Der reguläre Abtransport der Gefangenen wurde im Telegramm wie vorgesehen auf Montag, den 18. Oktober terminiert.
 
In den nächsten Tagen wurden weitere kurze Funksprüche ans Reichssicherheitshauptamt geschickt. Sie meldeten die Abfahrt des Deportationszuges. Die Telegramme wur­­den wie die Dannecker-Kappler-Meldung vom britischen Geheimdienst dechiffriert und dem US-amerikanischen OSS zur Verfügung gestellt.[23]
 
Am 20. Oktober bestätigte General Harster, der unmittelbare Vorgesetzte Kapplers, von Rom aus den Judentransport. Harster war offensichtlich wie geplant noch bis Mittwoch in Rom geblieben. Die dienstliche Meldung der Deportation hatte er selbst in die Hand genommen. Er schrieb, dass der Trans­port mit der Nr. X70469 am 18. Okt. Rom verlassen habe und über Wien und Prag nach Auschwitz gehe. Bei Arnoldstein würde er die Grenze passieren. Ausdrücklich machte Harster darauf aufmerksam, dass für den Transport bis zum Ende der Fahrt eine Bewachung dringend erforderlich sei. Man möge daher entsprechende Vorsorge treffen.
 
Die reguläre Deportation der römischen Juden erst am dritten Tag nach der Razzia zeigt, mit welcher Gelassenheit die Aktion zu Ende geführt wurde. Es gab zu keiner Zeit auch nur einen vorübergehenden Aufschub aus Berlin. Selbst die dreiste Internierung der tausend Razziaopfer in der Nähe des Vatikans am Samstag, am Sonntag und den halben Montag lang war für die SS kein Problem. Weder General Harster, noch Kappler, noch Dannecker haben sich dokumentiert darüber Gedanken gemacht.
 

Eine These zur Verteidigung Pius XII.
Ungeachtet des historischen Faktums des regulären Endes der Judenrazzia in Rom, wird von vielen Autoren die These vertreten, dass die telefonische Mitteilung Stahels an Hudal zum sofortigen Ende der Razzia der Wahrheit entspreche. Letztlich sei es der Interventionen Pius XII. zu verdanken, der mittels des Hudalbriefes und durch eine besondere Instruktion des „Briefträger“ Pater Pankratius Pfeiffer einen Stopp der Razzia und die Rettung der großen Mehrzahl der römischen Juden erreichte.
 
Zum ersten Mal wurde diese These von der Hauszeitschrift der römischen Jesuitenzentrale Civiltà Cattolica gegen Ende des Seligsprechungsprozesses zu Pius XII. publiziert.[24] Der Untersuchungsrichter des Prozesses, Prof. Pater Peter Gumpel SJ, unterstützte von Beginn an die Behauptung.[25] Belege für den überraschenden Razzia-Stopp können weder er noch die vielen anderen gleichgesinnten Autoren vorweisen.[26] Zuletzt hat das Deutsche Historische Institut in Rom in einer eigenen Studie zur Judenrazzia die Stopp-These und die einhergehende Rettung der Mehrzahl der Juden Roms ausdrücklich zurückgewiesen.[27]
 

Erfunden oder Missverstanden
Die kurze Telefonnotiz von Bischof Hudal, dass Himmler den sofortigen Stopp der Verhaftungen befohlen habe, ist noch mysteriöser als der Hudalbrief selbst. Hatte Hudal die Meldung schlicht erfunden? Dafür hätte er eine Menge Gründe gehabt. Wie schon erwähnt, hatte sich Hudal durch seinen jahrelangen Kampf um ideologische Versöhnung des wahren Nationalsozialismus mit dem katholischen Glauben und durch sein zweifelhaftes Benehmen mehr und mehr isoliert. Hudal suchte ständig nach Anerkennung und Profilierung. Die Judenrazzia war dafür ein guter Anlass. Wenn er – und sonst niemand in Rom –  den Abbruch der Razzia aufgrund seines Briefes vermelden konnte, hätte ihm das Reputation beim Vatikan eingebracht.
 
Eine Erfindung aus der hohlen Hand ist aber sehr unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte Hudal bei seinem Telefonat mit Stahel diesen missverstanden haben. Als Stahel mit Himmler telefoniert hatte, konnte er beruhigt worden sein: Die Razzia sei beendet. Er brauche sich keine Sorgen wegen Unruhen in der Stadt machen. Wenn General Stahel am Sonntag, den 17. Oktober, das Monsignor Hudal in irgendeiner Form mündlich mitteilte, entsprach es der Lage. Seit Samstagnachmittag gab es ja keine Verhaftungen mehr. Alle adressbekannten Juden Roms waren angefahren worden.
 
Aus Unkenntnis der tatsächlichen Vorgänge dürfte Hudal die Mitteilung Stahels aus dem Himmler-Telefonat als „Abbruch“ missverstanden oder in diese Richtung gedeutet haben.
  

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[1] Zu den Vorgängen rund um die Razzia vgl. R. Katz: Black Sabbath. The Politics of annihilation. The harrowing story of the Jews in Rome 1943, London 1969; F. Coen: 16 ottobre 1943. La grande razzia degli ebrie di Roma, 2. Aufl., Firenze 1994; 16 ottobre 1943. La deportazione degli ebrei romani tra storia e memoria. A cura die M. Baumeister, A.O. Guerrazzi, C. Procaccia, Reihe: Ricerche dell’Istituto Storico Germanico di Roma, Bd. 10, Rom 2016; K. Kühlwein: Pius XII. und die Judenrazzia in Rom, 2. Aufl., Berlin 2013; ders.: Die Liste Dannecker. Als der Holocaust zu Pius XII. kam, TB-Ausg., Berlin 2014
  
[2] Zu Dannecker vgl. Cl. Steur:, Theodor Dannecker. Ein Funktionär der "Endlösung", Essen 1997.
  
[3] Vgl. TV-Interview der Principessa Pignatelli-d’Aragona, in: Pius XII, der Papst, die Juden und die Nazis, (BBC, 1995); Aussage gegenüber Graham: La strana condotta di E. von Weizsäcker, Ambasciatore del Reich in Vaticano, in: La Civiltà Cattolica 121 (1970), S. 455-7, hier S. 466.
  
[4] Der Hudalbrief ist auf Deutsch dokumentiert in Bd. 9, Dok. 373, S. 509f der „Actes et documents du Saint Sièges relatifs à la Secondes Guerre mondiale“ (ADSS), hrsg. von P. Blet, R. Graham, A. Martini, B. Schneider, 11 Bde., Città del Vaticano 1965-81. Original: Archivio Santa Maria dell'Anima (ASMA), K 34, f. 373r.
  
[5] Hudal, A.: Die Grundlagen des Nationalsozialismus. Eine ideengeschichtliche Untersuchung, Leipzig/Wien 1937 (Nachd. Faksimile: Bremen 1982).
  
[6] ADSS 9, Dok. 373, S. 510. Hudal: Römische Tagebücher, Graz 1976, S. 213f. Unter Historikern ist die Pacelli-Mission zu Hudal unumstritten.
  
[7] Politisches Archriv Auswärtiges Amt (PA AA) Inland II g, 5789/E421 514.
  
[8] Katz: Black Sabbath, The Politics of annihilation. The harrowing story of the Jews in Rome 1943, London 1969. S. 200f; vgl. auch: ders.: Rom 1943-1944. Besatzer, Befreier, Partisanen und der Papst, Essen 2006 (= The Battle of Rome, New York 2003), S. 136.
  
[9] Weizsäcker-Prozess Case No. 11, Exhibit-No. 319, Weizsäcker Doc. No. 241. Signatur im Institut für Zeitgeschichte München: MB 26/119.
  
[10] Akten zur deutschen auswärtigen Politik (ADAP), hrsg. von W. Bußmann, u.a., Serie E: 1941-1945, Serie E, Bd. 7, Nr. 48, S. 85.
  
[11] L. Hill: The Vatican Embassy of Ernst von Weizsäcker, 1943-1945, in: The Journal of Modern History 39 (1967), S. 138-159, S. 149f; Graham: La strana condotta condotta di E. von Weizsäcker, Ambasciatore del Reich in Vaticano, in: La Civiltà Cattolica 121 (1970), S. 455-71 (Graham setzte seinen Aufsatz unter die Gesamtüberschrift: „Das sonderbare Benehmen von E.v. Weizsäcker“).

[12] ADSS 9, Dok. 368, S. 505f. Botschafter Weizsäcker war wenige Stunden nach Razziabeginn in den Apostolischen Palast gerufen worden, um vom Kardinalstaatssekretär Maglione die große Sorge und Bedrückung des Papstes über die Judenverhaftungen entgegenzunehmen. Weizsäcker sprach sich für eine beiderseitige große Zurückhaltung in dieser Sache aus.
  
[13] Zitiert in: Notenwechsel zwischen dem Heiligen Stuhl und der deutschen Reichsregierung, (VKZG), 3 Bde, bearbeitet von D. Albrecht, Mainz 1965ff; hier: Bd. II, S. XVIII, Anm. 11.
  
[14] PA AA Inland II g, Nr. 192, K 212152.

[15] Vgl. The Trail of Adolf Eichmann. Record of Proceedings in the District Court of Jerusalem, hrsg.: State of Israel. Ministry of Justice, Vol. I und IV, Jerusalem 1992f, hier IV, S. 1504f.

[16] ADAP, Serie E, Bd. 7, Nr. 66, S. 130f.
  
[17] Z.B.: R. Rychlak: Hitler, the War and the Pope, 2.Ed., Huntington 2010, S. 233; A. Tornielli: Pio XII. Il Papa degli Ebrei, Casale Monferrato 2002, S. 285f; M. Hesemann: Wie die jüdische Gemeinde Roms die Nazis überlebte, in: Vatican-Magazin, Nr. 11 (2010), S. 30-35, hier S. 32.

[18] Gespräch mit Pater Gumpel SJ am 17. Mai 2010.

[19] Graham: La strana condotta, S. 465.

[20] ASMA, K 34, f. 373r.
  
[21] Ebd.
  
[22] Bundesarchiv (Berlin-Lichterfelde): Persönlicher Stab Reichsführer SS (NS 19/1880).

[23] Harster to Berlin, via Rome, 20. Oct. 1943, decode 7732, NA, RG 226  Entry 122, Misc. X-2 Files, box 1, folder 5-Italien Decodes. Dannecker to RSHA IV B 4, 21. Oct. 1943, decode 7754, ibd.

[24] G. Sale: Roma 1943. Occupazione nazista e deportazione degli ebrei Romani, in: La Civiltà Cattolica 154 (2003), S. 417-29, hier S. 224; ders.: Hitler, la Santa Sede e gli ebrei. Con documenti dell´archivio Segreto Vaticano, Milano 2004, S. 195.
 
[25] Vgl. früh Gumpels schriftliche Stellungnahme zum Buch von Cornwell „Hitlers Pope“: Cornwell's Pope: 'A Nasty Caricature of a Noble and Saintly Man'. Point by Point Rebuttal by Church Historian, in ZENIT, 16. Sept. 1999; ders.: Pope Pius XII and the attitude of the Catholic Church during World War II, in: The Angelus. A Journal of Roman Catholic Tradition, Mai 2009; ders.: The General Beelitz Testimony, in: Pope Pius XII and the attitude of the Catholic Church during World War II, hrsg. von G. Krupp, 4. Aufl., Pave the Way Foundation 2014, hier S. 99; abgedruckt im italienischen Original in: P. L. Guiducci, Il Terzo Reich contro Pio XII. Papa Pacelli nei documenti nazisti, Milano 2013, S. 344ff.

[26] Z.B.: R. Rychlak: Righteous Gentiles, S. 130f); Gallo (sein Sammelband: Pius XII, the Holocaust and the Revisionists; darin vor allem sein Artikel: To Halt the Dreadful Crime, S. 126f); Hesemann (vor allem: Wie die jüdische Gemeinde Roms die Nazis überlebte, in: Vatican-Magazin, Nr. 11 (2010), S. 30-35; Der Papst, der Hitler trotzte. Die Wahrheit über Pius XII., Augsburg 2008, S. 129f); Tornielli: Pio XII. Il Papa degli Ebrei, S. 289f; Gaspari: Gli ebrei salvati da Pio XII, Roma 2001, S. 19, 22;
  
[27] 16 0ttobre 1943. La deportazione degli ebrei romani tra storia e memoria. A cura die M. Baumeister, A.O. Guerrazzi, C. Procaccia, Reihe: Ricerche dell’Istituto Storico Germanico di Roma, Bd. 10, Rom 2016; bes. S. 58f.
 
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