Die Feindesliebe - Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

Direkt zum Seiteninhalt
Bergpredigt
Die Feindesliebe
Bemerkungen zum Spietzengebot Jesu in der Bergpredigt

Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
Frb. i.Br. 02/2016
Bearbeiteter Auszug aus: Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt.
Die Feindesliebe
Bemerkungen zum Spitzengebot Jesu in der Bergpredigt

Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
Freiburg. i.Br. 03/2016*
 
von Klaus Kühlwein

     Inhalt

·      Von der Schwierigkeit einer Feindesliebe
·      Weisheitliche Mahnung
·      Ich und der "Feind"
·      Entfeindungsliebe

 
Liebt eure Feinde! Nur wenige Worte vermögen derart zu begeistern oder zum Widerspruch zu reizen wie diese aus dem Mund des Bergpredigers. Sie gelten als die ethische Spitzenforderung Jesu – durch nichts übertroffen, wolkenhoch und engelgleich. Wer das Gebot erfüllen wolle, müsse sich warm anziehen und eine Menge Vorrat einpacken. Denn der Aufstieg ist beschwerlich und die Luft dort oben sehr dünn. Viele erreichen das Ziel erst gar nicht. Auf halber Strecke bleiben sie zermürbt zurück, weil ihre Kräfte überstrapaziert sind.

Im Originalton der Bergpredigt nach Matthäus (Kap. 5,43ff) heißt es:

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst dei­nen Nächsten lieben und dei­nen Feind hassen.
Ich aber sa­ge euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch ver­fol­gen, da­mit ihr Söhne eures Vaters im Him­mel wer­det; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Gu­ten, und er lässt regnen über Ge­rech­­te und Unge­rechte.
Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lie­ben, wel­chen Lohn könnt ihr dafür er­war­ten? Tun das nicht auch die Zöllner?
Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonde­res? Tun das nicht auch die Hei­den?
Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.


Von der Schwierigkeit einer Feindesliebe

Sigmund Freud, der Altmeister der Tiefenpsychologie, bezeichnete das Gebot der Feindesliebe rundheraus als eine unfassbare Zumutung. Näher schreibt er: »Dieser Fremde ist nicht nur im allgemeinen nicht liebenswert, ich muss ehrlich bekennen, er hat mehr Anspruch auf meine Feindseligkeit, sogar auf meinen Hass. Er scheint nicht die mindeste Liebe für mich zu haben, be­­zeugt mir nicht die ge­ringste Rücksicht. Wenn es ihm einen Nutzen bringt, hat er keine Bedenken, mich zu schä­digen. ... Ja, er braucht nicht einmal einen Nutzen davon zu haben, wenn er nur irgendeine Lust da­mit befriedigen kann, macht er ich nichts daraus, mich zu ver­spotten, zu beleidigen, zu verleumden, seine Macht an mir zu zeigen, und je siche­rer er sich fühlt, je hilfloser ich bin, desto sicherer darf ich dies Beneh­men gegen mich von ihm erwarten. Wenn er sich anders verhält, wenn er mir als Frem­dem Rück­sicht und Scho­nung erweist, bin ich ohnedies, ohne jede Vorschrift bereit, es ihm in ähnlicher Weise zu vergelten«.

Ohne Scheu vor dem ehrwürdigen Nimbus des Gebots der Nächsten- bzw. Feindesliebe macht Freud eine schlichte Rechnung auf: Menschen können nicht geliebt werden wie Blumen oder wie ein son­ni­ger Maitag. Liebende Zuwendung sei vergeudet, ja eine ausgemachte Dummheit, wenn sich der andere übelwollend und niederträchtig verhalte. Liebe als Geben und Nehmen – frei nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir?

Es wäre Unrecht, Freud ein plumpes Vergeltungsdenken zu unterstellen. Freud setzt das Fundament einer Liebesbeziehung sehr hoch an. Demnach ist Liebe ein Austausch emotionaler Art, der dauerhaft wechselseitige Bedürfnisbefriedigung auf der Basis von Wertschätzung und Vertrauen garantiert. Gegenüber feindlich gesinnten Menschen sei das natürlich unmöglich. Der vorbehaltlos Liebende käme unter die Räder und würde unbarmherzig ausgebeutet, mitunter ganz zertreten.

 
Zurück zum Seiteninhalt