Rezensionen

Kühlwein: Schöpfung ohne Sinn? Gott und das Leid, Düsseldorf 2003

 

Frank Müller
Buchprofile 48 (2003) Borromäusverein Bonn

K. Kühlwein, Theologe und Mitarbeiter eines kirchlichen Bildungswerks, beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach Gott und dem Leid, also der klassischen Theodizeefrage. Dazu zieht er als exemplarische Gestalt Hiob heran und als beispielhafte theologische Abhandlung das Hiobbuch des ATs.

Hiob quält sich geradezu angesichts seines Leids mit der Frage nach dem "Warum". Er fragt nach eigener Schuld, die er nicht findet. Freunde bedrängen ihn, es müsse etwas vorliegen. Daraus ergibt sich ein Plädoyer gegen die Verknüpfung von Leid als Strafe für Schuld. K. Kühlwein spürt dieser Diskussion nach. Er erkennt die Lösung, die das Hiobbuch anbietet in einer grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Schöpfung, der sich jeder "Tun-Ergehen-Zusammenhang" entzieht.

Der Autor bietet gedanklich einen sehr guten und hervorragend entwickelten Lösungsansatz, der aber nicht als Trostbuch für konkrete Leid-Erfahrungen missverstanden werden darf. Für theologisch interessierte Leser.

 

Linzer Bibelsaat 81
(04/2003)

Warum gibt es viel Leid? Straft uns Gott? Warum ist die Schöpfung nicht besser eingerichtet? Wie ist das mit dem guten und allmächtigen Gott?

Der Autor geht diesen Fragen ausgehend von der biblischen Hiobsgeschichte nach, und verfolgt Spuren zu den biblischen Schöpfungserzählungen ebenso, wie zu modernen kosmologischen Erkenntnissen.

Der fesselnde Stil des Buches macht es zu einem besonderen Lesegenuss.

 

Kulturjoker 14
(06/2003) Freiburg

Können Sie sich Gott vor Gericht auf der Anklagebank vorstellen? Nur schwer? Den Fall gab es tatsächlich: Nachdem ein Blitzschlag das Anwesen von Betty Penrose in Flammen aufgehen ließ, verklagte diese 1969 den Allmächtigen vor einem amerikanischen Gericht wegen Fahrlässigkeit und Pflichtverletzung.

So skurril dieses Unterfangen anmuten mag - die Frage, wie Gott so viel Leid auf dieser Welt zulassen kann, und ob es unter diesem Um- oder besser Zuständen einen allmächtigen, allwissenden und gütigen Gott überhaupt geben kann, beschäftigt das Abendland schon seit mehr als zweitausend Jahren.

Klaus Kühlwein führt in seinem neuen Buch auf humorvolle und leicht verständliche Art in das komplexe und weitverzweigte Problem der Theodizee, der Gott-Leid-Problematik ein. Der Ausgangspunkt seiner Führung durch ein Thema, das Theologie, Philosophie, Quantenmechanik und Menschen ganz privat gleichermaßen an ihre Grenzen bringt, bildet eine Geschichte des Alten Testaments: Hiob.

Dieser vielgeplagte Gottesfürchtige, dessen Glaube von Gott auf unschöne Art getestet und so mit Verlust, Schmerz, Krankheit und Tod konfrontiert wird, steht exemplarisch für den Menschen per se. Mit und an ihm spielt Kühlwein die Grundlagen des Problems und verschiedene bis heute gängige Erklärungsansätze durch. Der Lesende folgt Kühlwein durch zweitausend Jahre Philosophie, durch die Entstehungsgeschichte der Bibel, die Antworten der Kirche, den lebenslangen Disput zwischen Augustinus und Julian von Eclanum. Er verfolgt die Theorie von Leid als Strafe für Fehlverhalten, also das alte Gesetz von Ursache und Wirkung, und vom Sündenfall. Auch die Ansätze der modernen Physik lernt er kennen und ihre Suche nach dem Schöpfungsplan.

Kühlwein bewegt sich detektivisch durch die Zeit, kreist das Problem von verschiedenen Seiten ein, zeigt unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen. Manche Schlüsse dabei sind oft überdeutlich, anderer wiederum überraschend kurz abgehandelt. Man ahnt schon bald, dass er etwas im Schilde führt. Eine eigene These vertreten wird. Nur bis dahin dauert es, die erlösende These, die alle vorher gesponnenen Thesen zu einem verwebt, folgt erst im letzten Kapitel. Bis dahin muss sich der Leser gedulden, all das Wissen der vorangehenden Kapitel irgendwo zwischenlagern, ohne eine Ahnung, wo und wie er - inzwischen selbst zum Detektiv mutiert - es zusammensetzen soll. Dadurch verliert das Buch manchmal leider an Geschwindigkeit. Auch die Position des Autors ist nicht immer ganz eindeutig - als forschender Wissenschaftler, kritischer Denker und gläubiger Katholik ist es ein Tanz auf Messers Schneide, den Kühlwein hier unternimmt.

Auf außereuropäische Ansätze geht Kühlwein, wohl auch aus diesem Konflikt heraus, nicht ein, was bedauerlich ist - beschäftigt sich doch beispielsweise der Buddhismus ganz ausgesprochen mit dem Thema Leid. Und der von Kühlwein behandelte "Tun-Ergehens-Zusammenhang" der jüdisch christlichen (Ursache - Wirkung) lädt buchstäblich zum Vergleich mit dem buddhistisch-hinduistischen "Karma" ein.

Die Vorsicht des Autors in der Formulierung seiner sehr schlüssigen, lebensbejahenden und integrativen These, und seine Konzentration auf das Abendland sind jedoch verständlich: Als Theologe und Lehrer am Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg und am Kolping-Kolleg riskiert er für seinen mutigen Ansatz eine Lehrbeanstandung aus Rom. Dem Buch aber hätte ein wenig mehr Schärfe nicht geschadet.

Fazit: Für ausgebildete Theologen empfiehlt sich der Epilog, für alle anderen eine spannende und gut lesbare Einführung in ein immer aktuelles Lebensthema.

 kunstundbuecher.at
April 2003

Vernichtende Katastrophen, menschliche Grausamkeit, tieftraurige Einzelschicksale - warum ist das passiert? Warum lässt Gott Leid über Menschen kommen? In der Schule lernten wir darauf alle die ausweglose Antwort: Es ist eine Strafe. Noch schlimmer: Die Folge der Erbsünde. Kein Leid ohne Grund - der sogenannte "Tun-Ergehen-Zusammenhang".

Klaus Kühlwein widerspricht dieser gängigen Auffassung, lehnt konsequent die These der Erbsünde durch Adam und Evas Sündenfall im Paradies ab. Stattdessen zitiert und erläutert er ausführlich die Geschichte Hiobs, unternimmt einen Ausflug in die Quantenphysik und erläutert sehr treffend unsere Position auf der Welt: Wir sind Gottes Stellvertreter und Verwalter, eine "Dialogpartnerschaft zwischen Mensch und Gott", mit allen Rechten und Pflichten. Dazu gehört auch die Einsicht in Gut und Böse, denn laut Kühlwein ist das "Böse" schon immer, auch im Paradies, vorhanden gewesen. Der Apfel ist übrigens "das Ergebnis eines nachdenklichen Bibelkommentators aus dem Frühmittelalter. Ihm war aufgefallen, dass im Lateinischen für Böses und Apfel" dasselbe Wort gebraucht wird: malum.

Kühlweins These: Das Leid muss aus der Schöpfung selbst verstanden werden - und genau diesen nicht gerade einfachen Weg skizziert er in dieser absolut bemerkenswerten Publikation, die keine endgültige Antwort bietet, sondern reichlich Stoff zum Nachdenken, um das eigene Vertrauen zu festigen.

Leo Ettlin
Schweizerische Kirchenzeitung 171 (42/2003)

Klaus Kühlwein vom Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg geht den brennenden Fragen nach, die den Menschen heute noch beschäftigen und ihnen keine Ruhe lassen. Es sind Fragen an den "lieben Gott", der hier im Gerichtssaal auf der Anklagebank sitzt. Kann Gott das Leid geschehen lassen, kann er zuschauen, wenn es brenzlig wird? Wie, wenn das Leid Kinder trifft? Da bleibt die Rede von Gottes guter Vorsehung in der Kehle stecken. Warum so viel Böses in der Welt? Was hat Gott dabei gedacht? Welcher Plan steckt dahinter?

In diesem Buch geht Klaus Kühlwein mit seinen Lesern auf die Suche. Er selber gesteht: Der Weg ist beschwerlich und auf weiten Strecken fällt kaum Licht. Doch für den aufmerksamen Leser bietet er viele Überraschungen mit interessanten Details. Begleiter in diesem Buch des Dozenten am Freiburger Bildungswerk ist Hiob, der wie kein anderer mit dem konfrontiert. Die Fragen des Hiob sind uralt, doch immer mehr aktuell.

 

Wolf von Lojewski
Fernsehjournalist/ZDF

Mit hohem Interesse habe ich das Buch gelesen. Es ist für den, der sich durch diese quälenden Fragen die Freude am Leben und am Fernsehen gelegentlich doch ein wenig trüben lässt, so etwas wie einen Thriller, den er oder sie vor der letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen kann.

 

Referat Kath. öffentl. Büchereien im Erzbistum Köln
(www-Ausgabe, Lesetipp), Köln aktuell 4/2003

Die uralte Menschheitsfrage stellt sich immer wieder neu: Warum herrscht so viel Leid und Unglück auf der Welt, so es doch (angeblich) einen guten und allmächtigen Gott gibt? Sie wird dann besonders brisant, wenn es mich selbst oder meine Familie trifft. Auch in der Zeit des Alten Testaments war sie schon mehr als akut; der Hiob-Dichter hat sie in eine unübertreffliche literarische Form gebracht. – Klaus Kühlwein, Mitarbeiter des Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg, versteht es, in sehr ernsthafter Weise, aber in einer recht flotten, eingängigen Sprache die Brisanz des Themas herauszuarbeiten, ohne auf vorschnelle Lösungen hereinzufallen. Sehr lesenswert, da jeden und jede angehend!