Hiob - welch ein Schicksal! - Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

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Theodizee
Gott, der Satan und eine Wette

Es klingt unglaublich. Im biblischen Buch Hiob wird erzählt, wie der Satan und Gott eine ziemlich üble Wette ausheckten. Sie nahmen einen Mann namens Hiob aus Uz ins Visier, der davon nicht das Geringste ahnte. Über seinen Kopf weg wetteten Gott und Satan um Hiobs Glaubenstreue. Dabei setzten sie ihn Torturen aus, die den braven und arglosen Mann in tiefste Verzweiflung stürzten.
Was war geschehen? Der Satan hatte die Gegenden der Welt durch­streift und eben mal im Himmel vorbei geschaut. Dort kommt er mit anderen Gottessöhnen – wahr­scheinlich sind Engel gemeint – zu einer Audienz beim Höchsten. Wie zufällig verwickelt Gott den Satan in ein Gespräch. Ob der Weltreisende bei seiner Tour auch auf einen gewissen Hiob geachtet habe, fragt der Herr nach. Dieser Mann sei nämlich ganz besonders fromm, er sei rechtschaffen und rundum untadelig; er fürchte Gott und meide das Böse.

Der Satan wäre nicht der Satan, wenn er nicht sofort ein Haar in der Suppe erspähen würde. Er witterte eine Chance, seine große Chance. Zum Herrn gewandt sagte er:
»Geschieht es ohne Grund, dass Hiob Gott fürchtet? Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land. Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus, und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen«.
Satan ist siegessicher. Der Herr will es wissen und gibt all den Besitz Hiobs – später auch Hiobs selbst – in Satans Gewalt. Er darf die Güter Hiobs zerstören und dessen Gesundheit ruinieren wie er wolle; nur am Leben müsse er ihn lassen. Der Satan fackelt nicht lange und beschwört Unheil herauf.
Hiob – welch ein Schicksal!
Die Antworten des Hiob-Buches auf die Gott-Leid-Frage

 Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
 Frb. i.Br. 09/2015
 
 von Klaus Kühlwein
  
 
Das Buch HIOB (Ijob) ist eines der sprach­ge­waltigsten und theologisch tiefgrün­­dig­sten Bücher der Bibel. Die Geschichte der gleichnamigen Hauptperson Hiob ist uralt, doch die aufgeworfenen Fragen sind hochaktuell und ihr Zündstoff ist so brisant wie ehedem. Ex­plosiv mischt das Buch alles, was die Leid­problematik aufwirft: Gott und den Satan, Vorsehung und Schick­sal, unsagbares Leid, Verzweiflung und Aufbegehren, Trost und Schein­trost, Anklage, Widerrede und Vor­würfe, schließlich Plädoyer und neue Einsicht.
All das verdichtet der tragische Held Hiob. Er muss durch eine lange Nacht des Leidens und der Dunkelheit gehen, eine Nacht, die einfach nicht enden will. Doch letztlich bricht auch für ihn eine Morgendämmerung an und ihr zunehmendes Leuchten spiegelt sich in Hiobs matten Augen. Hiob beginnt den Finger Gottes zu erkennen und sieht, wohin er zeigt.
  

Ein Buch und sein unsterblicher Stoff

Gäbe es einen literarischen Nobelpreis für antike Werke, der Verfasser des Buches HIOB hätte ihn allein dafür verdient. Leider könnte der Preis auch postum nicht vergeben werden, denn das Buch ist anonym geschrieben und anonym veröffentlicht.
 
Über den Autor ist so gut wie nichts bekannt. Das trifft für viele andere biblische Bücher auch zu, dennoch wirft die unbekannte Verfasserfrage Probleme auf. Wer das Buch aufmerksam durchliest, wird an einigen Stellen stolpern und sich fragen, ob das alles von einer Hand geschrieben ist? Es gibt inhaltliche Brüche, die nur über schwache Stege Verbindung halten, und es fallen allgemein sprachliche und stilistische Unterschiede ins Auge, die turmhoch voneinander entfernt sind.


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Bearbeiteter Auszug aus dem vergriffenen Buch des Autors: Schöpfung ohne Sinn. Gott und das Leid, Düsseldorf 2003.

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