Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

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Der Vatikan und die NS-Zeit

70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges bleiben immer noch Fragen zur Rolle der katholischen Kirche. Insbesondere der Vatikan mit dem damals amtierenden Pontifex Pius XII. muss sich kritische Anfragen gefallen lassen:
 
War das Schweigen Pius XII. gegenüber der NS-Judenvernichtung ein Fehler? Ist die Kirche mitschuldig geworden, weil sie abseits stand bei der großen Judenjagd in Europa?

Mittlerweile haben sich die deutschen, die österreichischen und sogar französischen Bischöfe selbstkritisch an die Brust geschlagen. Sie sind beschämt über das Versagen der eigenen Ortskirche und über Mitschuld durch Unterlassen.

Der Vatikan will sich nicht in diese Reihe stellen. Bis heute weigert man sich, kritische Worte zur päpstlichen Diplomatie gegen NS-Deutschland zu finden.
Eigenes Versagen oder gar Mitschuld wird weit von sich gewiesen. Zu bedauern gibt es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe so viele Juden gerettet wie kein anderer und er habe seine Stimme erhoben gegen den Vernichtungswahn der Nazis. Er sei einer der großen Gerechten dieser Welt.

Für den Vatikan ist klar: Jede Kritik am mittlerweile verehrungswürdigen Pius XII. ist haltlos und oft nur boshaft – meist beides zusammen.
 
Der Offener Brief an Papst Franziskus anlässlich des 70. Jahrestages der Judenrazzia in Rom.
(16. Okt. 2013).
deut. (pdf, 24 KB)

 Vatikanisches Schuldbekenntnis
  und eine Vergebungsbitte für die Diplomatie Pius XII.
 sind überfällig

 Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
  Gekürzte Fassung in: Frankfurter Rundschau – Kultur/14.04.2015
  Frb. i.Br. 05/2015

von Klaus Kühlwein

Jahrzehnte nach dem Ende der Shoa wäscht der Vatikan immer noch seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gibt es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe so viele Juden gerettet wie kein anderer und er habe seine Stimme erhoben gegen den Vernichtungswahn der Nazis. Er sei einer der großen Gerechten dieser Welt. Für den Vatikan ist klar: Alle Angriffe auf den mittlerweile verehrungswürdigen Pius XII. sind haltlos und oft nur boshaft – meist beides zusammen.
    
Seit Jahren ist die Schautafel zu Pius XII. in Yad Vashem für den Vatikan ein Stein des Anstoßes. Im ersten Hinweistext wurde das Schweigen des Papstes zur NS-Judenvernichtung offen kritisiert. Eigens erwähnt wurde dabei die Judenrazzia an der alt-ehrwürdigen Jüdischen Gemeinde Roms im Oktober 1943. Pius hätte damals nicht interveniert.

Nach der Revision des Textes im Sommer 2012 gibt man sich im Vatikan etwas versöhnlicher, aber zufrieden ist man längst noch nicht. Inakzeptabel sind die unkommentierten Pro- und Kontra-Meinungen und der abermalige Verweis auf die römische Judenrazzia, bei der Pius nur verdeckt interveniert habe.
 
Ist es nicht an der Zeit, dass man im Vatikan die reflexhafte Abwehr gegen jede Kritik an Pius XII. aufgibt und sich reumütig zeigt?

Längst haben die deutschen und österreichischen Bischöfe vorgemacht, wie es gehen könnte. Es dauerte zwar einige Jahrzehnte, bis sie zaghaft anfingen sich ihrer kirchlichen Vergangenheit zu stellen, aber mittlerweile gibt es einen Reigen nachdenklicher bis selbstkritischer Formulierungen.

In der jüngsten Erklärung zum Beispiel von Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen kath. Bischofskonferenz und von Landesbischof Bedford-Strohm für den Rat der evangelischen Kirchen Deutschlands (06.05.2015), heißt es ungeschminkt:

weiterlesen (pdf, 82 KB)

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Meine Veröffentlichungen zur Thematik Pius XII. und den Holocaust:

Artikel u.a. siehe Site "Publikationen".
Warum der Papst schwieg
Pius XII. und der Holocaust
Düsseldorf (Patmos-Verlag), 2008, 246 S.

Besprechung in der FAZ:
v. Rainer Blasius, 29.01.2009   

Verlagsflyer: deutsch (pdf 94 KB) engl. (pdf 119 KB)
Pius XII. und die Judenrazzia in Rom
epubli Verlag, 2. aktualisierte u. erweiterte Auflage, Berlin 2003, 420 S.
(420 S.)

Neu
- Epilog: Papst Franziskus und der 16. Okt. 2013
- erweiterte Dokumententation
Die Liste Dannecker. Als der Holocaust zu
Pius XII. kam
Gek. u. bearb. TB-Ausgabe der Studie über die Judenrazzia.
epubli, Berlin 03/2014


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