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Rechtfertigung Gottes?

Theologisches > Theodizee
Die Schwierigkeiten, Gott angesichts 

des unsäglichen Leids auf dieser Welt zu rechtfertigen, sind immens. Der Berg der Theodizee ist zerklüftet und steil. Vielen erscheint er zu zerklüftet und zu steil für einen Aufstieg.
 
An Versuchen, die Theodizee zu bezwingen, fehlte und fehlt es dennoch nicht. Die Motive sind ganz verschieden. Die einen suchen einen gangbaren Pfad auf den Berg, andere halten das Ansinnen von vornherein für aussichtslos. 
So viel Leid
Von der Schwierigkeit einen guten und allmächtigen Gott
zu rechtfertigen
 
 von Klaus Kühlwein

Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
 Frb. i.Br. 09/2015*

 
 
Prozess gegen Gott?
Als der arme biblische Hiob in schwerste Leiden gestürzt wurde und seine herbei gekommenen drei Freunde ihm eine gerechte Strafe Gottes einreden wollten, rief Hiob immer wieder nach einem fairen Rechtsstreit gegen Gott. Gott selbst solle sich erklären! Er solle vor einem gerechten Forum darlegen, warum er einen gewiss tadellos lebenden Menschen derart schlage. Was habe ich getan, du Men­schen­verächter? – rief Hiob einmal empört gegen den Himmel. Wo ist mein Richter, der mich freisprechen und dich anklagen wird?

Wie ein Gerichtsverfahren gegen Gott aussehen und ausgehen könnte, hat der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel vorgestellt. In seinem Stück Der Prozess von Schamgorod knüpft er provokativ an die Hiobgeschichte an, verschärft sie mit dem „jüdischen Schicksal“ und fragt nach einer Rechtfertigung Gottes.

Das Stück führt den Leser zurück in die grauenvolle Pogromzeit Mitte des 17. Jahrhunderts in Polen. Überall rast die aufgehetzte Meute und bringt wahllos Todesverderben über die jüdischen Gemeinden. Auch im Ort Schamgorod hörte man unlängst das Geschrei von Kindern und Frauen, von Frommen und Frömmsten unter dem blutgierigen Metzeln der Kosaken und des Pöbels. Jetzt zeugt nur noch stumm das vergossene Blut in den ärmlichen Häusern, im verwüsteten Lehrhaus und auf den Gassen vom Sturm der Vernichtung. Eine jüdische Stimme jedoch blieb am Leben – der Wirt vom Schamgorod. Abseits hält der gebrochene Mann mit seiner kranken Tochter und einer christlichen Gehilfin den Betrieb aufrecht.

Es ist Purim. An diesem Fest wird sonst gesungen, getanzt, gespielt und vor allem darf alles gesagt werden. Auswärtige Purimspieler, die die Bewohner Schamgorods erheitern wollten, bleiben im Gasthaus hängen. Sie bieten dem Wirt Berisch ein Spiel an, da sie keine Kopeke in der Tasche haben. Der überredet sie zu einem unerhörten Stück, nämlich zu einem ernsthaft durchgeführten Prozess »gegen den höchsten König, den obersten Richter, den Herrn des Universums«. Er selbst, Berisch von Schamgorod, letzter jüdischer Vater im Ort, wolle die Anklage übernehmen. Und die werde es in sich haben. Für Gott wird ein Verteidiger gesucht, denn alles soll mit rechten Dingen zugehen. Doch niemand unter den restlichen Leuten im Wirtshaus findet sich bereit, diese undankbare Rolle zu übernehmen. Deprimiert und nach langem Zögern will die Truppe eben ohne Fürsprecher über Gott richten.

Da meldet sich überraschend ein unbekannter Mann, der kurz zuvor still hereingekommen war. Auf die Frage, wer er sei, von wo er komme, was er wolle, antwortet er nur: »Ich bin der, den ihr sucht«

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