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Der Cherub kehr heim
Besinnliches zum Weihnachtsfest 2017
Weihnachten strahlt eine magische Anziehungskraft aus. Kaum jemand scheint sich der Faszination des Festes entziehen zu können. Kleine wie große Herzen werden angerührt, und die Seele liegt wie in einem fröhlichen Bann.
Es ist sicher nicht der Glamour, der betört, auch nicht nostal­gische Verzauberung, die uns träumen macht. Die Strahlkraft liegt im Geheimnis von Weihnachten selbst. Dieses Fest birgt Tiefendimensionen, die theologisch noch auf ihre volle Auslotung warten. Das Geschehen in der Heiligen Nacht ist mehr als eine Freuden­erinnerung an die Geburt Jesu, des ersehnten Retters aus der Himmelshöhe. Es ist viel mehr als eine notwendige Bedingung für die spätere Er­lö­sung am Kreuz samt Auferstehung.
 
Cur Deus homo? Warum wurde Gott Mensch? Warum kam Jesus sogar erst als Baby auf die Welt und wuchs „normal“ heran, bevor er öffentlich auftrat?
Gott hätte darauf verzichten können, Mensch zu werden. Er hätte die Offenbarung vom Reich Gottes auch durch einen neuen Propheten verkünden lassen können, einen Propheten wie Jesaja oder Moses. Dieser hätte alles verkünden und auch die Wunder vollbringen können wie Jesus.
 
Doch in der christlichen Botschaft ist der Messias, der Erlöser kein Prophet unter den Propheten, sondern die Mensch-Werdung Gottes selbst. Der Theologe Karl Rahner nannte das die „Selbstmitteilung Gottes“ mit allen Konsequenzen. Das heißt, im irdischen Jesus spüren wir, wie Gott für uns ist und was er für uns tut. Den irdischen Jesus sehen, bedeutet die Heilspräsenz Gottes sehen!
 
Es hat sich theologisch eingebürgert, das Ende Jesu am Kreuz und seine Auferstehung als Dreh- und Angelpunkt der „Erlösung“ zu deuten und Jesu Leben quasi rückwirkend aus dieser Perspektive zu lesen. Doch es gibt tiefgreifende Gründe, dies auch umgekehrt zu machen. Man kann Jesus als das erschienene Heil Gottes ansehen und sein erlösendes Wirken von seiner Geburt her lesen, genau genommen durch die Menschwerdung.
 
Wer in den Evangelien genau hinschaut, findet dafür viele Anhaltspunkte. Besonders Lukas ist ein reicher Zeuge. Eindringlich beschreibt er den präsentischen Heilswert der Geburt Jesu durch den Prolog über Johannes (den Täufer), durch Ma­riens Magni­fi­kat, den Lobgesang des Zacharias, die Engels­ver­kündigung bis zu Simeons Lobpreis im Tempel über das Jesuskind: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht ... in Frieden schei­den. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast" (Lk 2,29f) Die Worte sind von einfacher Schönheit und großer theo­lo­gischer Dichte. Nicht umsonst gehören sie fest zum litur­gi­schen Schatz der Kir­che.
 
Ähnlich formulierte es auch der Engel für die Hirten auf dem Feld: "Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Ret­ter geboren; er ist der Messias und Herr." (Lk 2,10f). Das Stichwort "heute" ist für Lukas sehr wichtig. Es soll eine Heilspräsenz anzuzeigen, die sich jetzt schon auswirkt und nicht erst nach Ostern. Klassisch dazu ist die lukanische Darstellung von Jesu Antrittspredigt in seinem Heimatort Nazareth (Lk 4,16-30). Nachdem Jesus den eschato­lo­gi­schen Hoffnungstext nach Jesaja 61,1f vorgelesen hatte, lei­tete er seine Auslegung mit den Worten ein: "Heute hat sich das Schriftwort ... erfüllt" (V 21b).
 
Diese Ankunft des Gottesheils in und durch Jesu Mensch­wer­dung ist auch für den Evangelisten Johannes der rote Faden seiner Frohen Botschaft. Am Anfang zitiert er den wunderbaren Logos-Hymnus – ein wahr­haft weihnachtlicher Text, voll tiefgründiger Refle­xion: Jesus ist die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes. In ihm wird Gott Mensch, um die dunkle Welt in ein gött­li­ches Licht zu tauchen. Alle, die dieses Licht ergreifen, d.h. glau­bend annehmen, haben Anteil an Jesu Herrlichkeit und Gna­de. "Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns ge­wohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herr­lich­­keit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahr­heit." (Joh 1,14). Dieser schlichte und doch unergründliche Vers durch­strahlt das gesamte Evangelium. Er ist ein Edel­stein für jede Theologie, die die alte Frage Cur deus homo? von Weihnachten her bedenken möchte:
 
Weihnachten, das ist die begonnene Erlösung, eine Erlösung aus der verzweifelnden Gottferne, aus dem Wahn "allein" zu sein mit sich und seinen Lebenskatastrophen und aus der Angst, ob der eigenen Schuld Gott verlieren zu können bzw. schon verloren zu haben.
 
Weihnachten, das ist die Erdung des Himmels, die Öffnung des verlorenen Paradieses, die Heimholung des umherirrenden Menschen, die unüber­biet­bare Nähe des Unnahbaren, die Hineinnahme der Welt in die trini­ta­rische Liebe. Seit Weihnachten wird jeder lie­bevolle Umgang mit anderen, ja, auch mit Tieren, Pflanzen und der "Erde" zum Gottesdienst. Denn Gott selbst ist Teil der Schöpfung geworden.
 
Seit Weihnachten ist die quälende Frage nach dem "Leid" angesichts eines guten, allmächtigen Gottes (Theodizee) po­si­tiv beschie­den. Nichts und niemand kann diese Welt zur gott­fernen Ein­öde machen. Gott ist überall und in allem. Er freut sich mit, weint mit, lebt und stirbt mit. Im gött­lichen Kind in der Krippe verspricht uns Gott, dass alles in seiner bergenden Hand liegt und niemand mehr vor ihm fliehen kann und fliehen braucht.
 
Weihnachten erfüllt die Ursehnsucht des Men­schen nach dem Horizont des Himmels, der den eigenen umfängt. Es ist das Dahinschmelzen vereister Herzen unter einem kindlichen Lächeln – von Herzen, die die Wärme Gottes verloren glaubten. Es ist die fröhliche Rückkehr ins verlorene Paradies, weil Gott nicht mehr gegen den Tagwind ein­herschreitet und nach dem schuldigen Adam ruft, sondern als Menschenkind allen seine Arme entgegenstreckt.
 
Der Gedanke, dass der so weit entfernt thronende Heilige mit einem unbeschwerten Kinderblick den weinenden oder erstarrten Augen der nach Gott seufzen­den Menschen gegenübertritt, muss jeden verzaubern. In vielen Advents- und Weihnachtsliedern besingen wir mit seltener Her­zens­fröhlichkeit dies Wunder in Texten voller Poesie. So etwa im anmutigen alte Weihnachtslied von Nikolaus Hermann „Lobt Gott, ihr Christen …“. In der letzten Strophe jauchzt es: Heut‘ schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Es ist der Erlösungsgesang des mensch­lichen Herzens, dem im Kinderherz die göttliche Liebe begeg­net.
 
Weihnachten ist die nie endende Freude über die Erdung des Himmels, die dem Gleichklang menschlicher Sehnsucht und göttlicher Liebe entspringt.
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Zum Osterfest 2017
 
O vere beata nox

Aus dem alten kirchlichen EXULTET in der Osternacht

 O wahrhaft selige Nacht,
die Himmel und Erde versöhnt,
die Gott und Menschen verbindet!

Der Glanz dieser heiligen Nacht
nimmt den Frevel hinweg,
reinigt von Schuld,
gibt den Sündern die Unschuld,
den Trauernden Freude.
Weit vertreibt sie den Hass,
sie einigt die Herzen
und beugt die Gewalten.



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Im Gedenken an alle Opfer, deren Leben durch Glaubensfanatismus zerstört wird
Wenn Glaube
Menschlichkeit verliert
verliert er auch Gott

Wenn er Gott
verloren hat
wird er Ideologie finden

Wenn er Ideologie
gefunden hat
wird er Hass verbreiten

und ausziehen, um Menschen zu töten
und Gott zu rächen
den er zuvor getötet hat


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