Weisheit der Bergpredigt - Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

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Bergpredigt
Die Bergpredigt Jesu von Nazareth

gilt unwidersprochen als die Rede aller Reden. Ihre wuchtigen Worte und die Vision ihrer Aussage ziehen in den Bann. Selbst für Gläubige anderer Religionen oder für Atheisten verschiedener Couleur gilt die Rede des Nazareners auf dem Berg als eine Sternstunde der Mensch­heitsgeschichte.
Beispielhaft sei der Hindu Mahatma Gandhi genannt, der nach eigenem Bekunden Jesus wegen seiner Bergpredigt lieb gewonnen hat. Und der politische Philosoph Ernst Bloch schätzte das Revolutionäre am Bergprediger Jesus. Die Reihe lässt sich mühelos fortsetzen.

Die Weisheit der Bergpredigt
Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
Frb. i.Br. 10/2015
 Die Weisheit der Bergpredigt
Thesen und Bemerkungen
 
Mit einer Anmerkung zur Bergpredigtauslegung Benedikts XVI.

Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
2. überarbeitete Aufl., Freiburg 09/2015
 
© Dr. theol. Klaus Kühlwein
 
 
Die Bemerkungen basieren auf der Diss.-Studie zur Bergpredigt und Familienkommunikation (PTH St. Georgen 1991, Lang-Verlag, Europ. Hochschulschriften, Ffm u.a. ) und dem Buch: Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt (Verlag Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1999).

Die Bergpredigt gilt als widerspenstigste und zugleich wirkmächtigste Rede Jesu. Sie hat radikalste Befürwortung und Gegnerschaft ausgelöst. Nach verbreiteter Auffassung enthält sie ein Grundproblem, das nur sehr schwer oder gar nicht lösbar ist.
 
Die Worte der Bergrede strahlen eine Anziehungskraft aus, die oberflächliches Weiterlesen energisch ausbremst und zum Nachdenken zwingt. Sie sind wie der überraschende Schatz im Acker. Die entdeckte Truhe knistert spannungsvoll, und wer hineinschaut, dem schillern geheimnisvoll trapierte Kleinode entgegen.
 
Die wertvollsten davon sind Weisungen für das gelingende und heilende Leben der Menschen untereinander. Jesus hat sie so kunstvoll geschliffen, dass sie niemand leichtfertig auszusortieren wagt, um sie in eine Kiste zu verstauen mit der Aufschrift: Moralkodex - für die eine oder andere Gelegenheit. Die Forderungen der Bergpredigt lassen sich nicht einfach wegschließen.
 
Einflussreiche Auslegungen der Bergrede Jesu waren bzw. sind:

  • die perfektionsethische Auffassung
  • die Zwei-Stufen-Auffassung (moderne Variation: die binnenkirchliche Auffassung)
  • die Zwei-Reiche-Auffassung
  • die Unerfüllbarkeits-Auffassung
  • die Interimsethische Auffassung
  • die gesinnungsethische Auffassung
  • die zielethische Auffassung

Keine dieser Auslegungspositionen konnte und kann sich breit durchsetzen. Gegenwärtig herrscht in der Exegese ein bunter Mix, wobei kath. Vertreter stärker zielethisch argumentieren und protestantische Ausleger eher mit der Unerfüllbarkeit sympathisieren.

weiterlesen:
Als pdf-Dokument (pdf, 83 KB)
 Kreative Liebe
 Eine Besinnung
 
 Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
 Frb. i.Br. 09/2015
 (Erstpublikation in: ferment 6/1999, S. 22 f.)
  
 von Klaus Kühlwein
 
»Wenn ich an die Bergpredigt denke, fühle ich mich in die Lage eines Rennhundes versetzt, der einem Stoffhasen nachhetzt. Ich kann mich noch so sehr abmühen, den Ansprüchen Jesu werde ich nie gerecht«. So meinte neulich ein Bekannter von mir halb deprimiert halb vorwurfsvoll. Trifft dieser originelle Vergleich nicht das Kernproblem der Bergpredigt?

Sind ihre Forderungen nicht viel zu hochgeschraubt? Bleiben ihre Ziele für uns unerreichbar? Passen sie überhaupt in eine Welt voll Misstrauen, Gewalt und Hass? Um es gleich vorweg zu sagen: Ich halte die Weisungen der Bergpredigt für erfüllbar.
 
Ohne Zweifel, die Bergpredigt ist eine stachlige Last. Gegen jeden Versuch, die Spitzen auch nur abzustumpfen, sperrt sie sich außergewöhnlich zäh – und das seit zweitausend Jahren. Doch trotz dieser Widerborstigkeit verlieren ihre Worte nichts an Faszination.

Sätze wie: »Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin« oder: »Liebt eure Feinde!« ziehen magisch an und fesseln jeden, der sich ihnen öffnet. Sie fordern aber auch Widerspruch heraus. Stets die andere Wange hinhalten? Ausgerechnet jene lieben, die mir übel mitspielen, die skrupellos ihren Vorteil ziehen und nur darauf aus sind, andere in die Pfanne zu hauen? Ich kann es gut verstehen, wenn hier von Feigheit und Kapitulation geredet wird gegenüber Menschen, die die Klaviatur der Bosheit von derber Gewalt bis zur intelligenten Niedertracht vorzüglich beherrschen.

Doch Jesu Aufforderung zur Gewaltlosigkeit und Feindesliebe weist in eine andere Richtung. Wir kommen ihr auf die Spur, wenn wir das Herzstück der Bergpredigt – die sechs sogenannten »Antithesen« (Mt 5,21-48) – insgesamt besehen und vor allem darauf achten, wie die Gebote formuliert sind. In diesen sechs Abschnitten spricht Jesus als großer Weisheitslehrer zu uns. Mit höchster Autorität zeigt er den wahren Gotteswillen zum Gesetzesgehorsam auf.
 
Viele Worte braucht er dazu nicht; die eigentlichen Antithesen bestehen aus knappen Wendungen. Sie sind sprachlich elegant verfremdet und überraschend kombiniert. Oberflächlich hören sich die Weisungen Jesu wie neue scharfe Gesetze an. Bei näherem Hinhören jedoch offenbaren sie tiefsinnige Weisheitsworte. Ihre Wirkung ist frappierend – ich nenne es kreatives Chaos. Denn unversehens reißen die Worte jedes starre Vorschriftengebäude nieder und weiten den Blick auf den Horizont am freien Himmel. Dort leuchtet Jesu Grundanliegen auf: das versöhnende und versöhnte Miteinander in Liebe. Jetzt ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten und Konflikte auszutragen.
 
Für die Gewaltlosigkeit und Feindesliebe heißt das: Passé sind das rachedurstige »Auge um Auge, Zahn um Zahn« und der „logische“ Feindeshass. Passé sind aber auch alle Handlungsregeln, die sich stur nach Vorschrift richten, die nur ein »So-und-nicht-anders« zulassen. Jesus öffnet dagegen Wege zur erfinderischen Überwindung von Gewalt und schöpferischen Feindesliebe.

Beispielhaft spricht Jesus von der Möglichkeit, die andere Wange hinzuhalten. Die paradoxe Erwiderung steht exemplarisch für einen Strauß ähnlicher Verhaltensweisen. Sie verdutzen den Kontrahenten und unterbrechen den Automatismus des »Wie du mir, so ich dir«. Solche „Antworten“ sind meistens sehr wirkungsvoll, können aber auch ins Leere laufen und dem Versöhnungsprozess sogar schaden. Dann müssen andere Wege gesucht werden – wenn nötig, auch Wege klaren Widerstandes. Übermenschliche Kraftanstrengungen sind hier ebenso wenig gefordert, wie bei den verblüffenden Versöhnungstaten. Kreative Liebe kennt keine Grenzen. Jesus, der Bergprediger, inspiriert uns dazu.
Lesetipp
Das Buch ist mittlerweile leider vergriffen. Einzelne Ex. sind antiquarisch erhältlich.


Chaosmeister Jesus
Die Bergpredigt
Stuttgart (Verlag Kath. Bibelwerk), 1999
157 S.



Leseprobe (pdf, 54 KB)

Rezensionen (pdf, 40 KB)
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