Widerspenstig - Pius XII. Vatikan Holocaust NS-Zeit Verschiedenes

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Bergpredigt
Widerspenstige Bergpredigt
Wie man sie auslegte. Eine kurze Geschichte durch die Zeit

Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
Frb. i.Br. 08/2015
Bearbeiteter Auszug aus: Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt.
 Widerspenstige Bergpredigt
 Wie man sie auslegte. Eine kurze Geschichte durch die Zeit
 
Veröffentlichungen im Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg
2. aktualisierte Auflage, Freiburg 08/2015
  
©von Klaus Kühlwein
 
Herausfordernd
Jesus war kein umgänglicher Zeitgenosse, der leicht zu nehmen und schnell zu verstehen war. Die Bergpredigt gibt redlich Zeugnis davon. Mit Vorliebe provozierte er und das Zähneknirschen vieler seiner Hörer bereitete ihm wohl mehr Lust denn Verdruss. Im Chor der religiösen und politischen Interessenmelodien des römisch besetzten Landes pfiff er gar nicht erst mit, auch nicht als Missklang. Der Bergprediger zog es vor, eine eigene Melodie vorzutragen, die anderen Gesetzen folgte als die der lauthals Tönenden. Die Komposition seiner Spitzenrede, um beim Bild zu bleiben, hat er besonders rätselhaft ausgestaltet, auch wenn sie unwiderstehlich betört.
 
Die Worte der Bergrede strahlen eine Anziehungskraft aus, die oberflächliches Wei­terlesen ausbremst und zum Nachdenken zwingt. Sie sind wie der überraschende Schatz im Acker. Die entdeckte Truhe knistert spannungsvoll, und wer hineinschaut, dem schillern geheimnisvoll drapierte Kleinode entgegen.
Die wertvollsten davon sind Weisungen für das gelingende und heilende Leben der Menschen untereinander. Jesus hat sie so kunstvoll geschliffen, dass sie niemand leichtfertig auszusortieren wagt, um sie in eine Kiste zu verstauen mit der Aufschrift: Moralcodex – für die eine oder andere Gelegenheit. Die Forderungen der Bergpredigt lassen sich nicht wegschließen, womöglich passgerecht kartoniert zur handlichen Nutzung. Dafür hat Jesus gesorgt.
Die Weisungen Jesu auf dem Berg sind auch für die Theologie eine stachlige Last. Hart liegt sie auf ihren Schultern und bohrt sich seit zweitausend Jahren ohne Mitleid ins Fleisch der Christenheit. Gegen jeden Versuch der Entschärfung leistet sie außergewöhnlich zäh Widerstand.

 
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